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Zur Geschichte der Juden in Ost- und Westpreußen

Aus dem Album einer jüdischen Schule in Königsberg
Aus dem Album einer jüdischen Schule in Königsberg Gruppenfoto von Schülern mit Lehrern bei der Einschulung, 1935 - Quelle: https://www.yadvashem.org/yv/de/exhibitions/through-the-lens/konigsberg.asp - COPYRIGHT: YAD VASHEM - TERMS & CONDITIONS: https://www.yadvashem.org/terms-and-conditions.html

- Seit dem 16. Jahrhundert entstanden die ersten jüdischen Gemeinden auf dem Gebiet des Königlichen Preußen (Westpreußen) – zuerst in den Kleinstädten im Süden der Region, auf den Gütern der katholischen Kirche und des polnischen Adels sowie in den Vororten von Danzig. Im 17./18. Jahrhunder ließen sich dann auch Juden in Königsberg sowie anderen Städten Ostpreußens nieder. Sie bereicherten im Lauf der Jahrhunderte das kulturelle Leben nicht nur in Königsberg und Danzig, wo es große jüdische Gemeinden gab. Selbst in den eher abgelegenen masurischen Gemeinden Ortelsburg und Johannisburg bildeten sich im Laufe der Zeit jüdische Gemeinden. Viele große Namen sind mit den Juden in Ost- und Westpreußen verbunden: Der Aufklärer Isaak Abraham Euchel gehört ebenso dazu wie die Demokraten Fanny Lewald, Johann Jacoby und Hugo Haase sowie Hannah Arendt, die ihre Kindheit und Jugend in Königsberg verbrachte. Eine führende Rolle unter den Königsberger Juden hatte die Familie Friedländer, die seit 1718 in Königsberg lebte.

Bis weit ins 19. Jahrhundert wurden Juden in Preußen diskriminiert, und nur wenige bürgerliche Berufe standen ihnen offen. Im Zuge zunehmender Liberalisierung der politischen Verhältnisse gelang ihnen jedoch nach und nach, auch im wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Leben Ost- und Westpreußens integriert zu werden. Doch in der Zeit des Nationalsozialismus wurden Juden auch in unserem Forschungsgebiet gezielt drangsaliert, entrechtet, enteignet, verfolgt und ermordet. Den wenigsten unter ihnen gelang die Flucht. Zur Wahrheit gehört, dass auch die in dieser Zeit betriebene „Ahnenforschung“ ein Mittel zur Ausgrenzung der Juden war. Der Verein ist seit vielen Jahren darum bemüht, diese unrühmliche Seite der Familiengeschichtsforschung aufzuarbeiten.

Literaturhinweise:
Zur Geschichte und Kultur der Juden in Ost- und Westpreußen. Hrsg. von Michael Brocke, Margret Heitmann und Harald Lordick. Hildesheim/Zürich/New York 2000
Ronny Kabus: Juden in Ostpreußen. Husum 1998
Stefanie Schüler-Springorum: Die jüdische Minderheit in Königsberg/Preußen 1871-1945. Göttingen 1996
Śladami żydowskimi po Kaszubach. Przewodnik / Jüdische Spuren in der Kaschubei. Ein Reisehandbuch. Pod. red. / Hrsg. von Miłosława Borzyszkowska-Szewczyk i / und Christian Pletzing. Gdańsk, Lübeck, München 2010

Links zu lesenswerten Websites über die Geschichte der Juden in Ost- und Westpreußen:
- Die Geschichte einer jüdischen Schule in Königsberg mit anrührenden Details
- In deutscher und englischer Sprache mit vielen Dokumenten: Homepage of the Jewish History of East Prussia - Zur Geschichte der Juden in Ostpreußen
- Die Site des Wissenschaftlers Jan Daniluk über ausgewählte Probleme aus der Geschichte der Juden in West- und Ostpreußen im 19. und 20. Jahrhundert konzentriert sich auf das deutsche Kulturgebiet, also das Deutsche Kaiserreich (bis 1918), die Weimarer Republik (bis 1933) und Freie Stadt Danzig (bis 1939), danach das Deutsche (Dritte) Reich (bis 1945)
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- “Jüdisches Leben in Ostpreußen. Geschichte und Untergang einer großen Kultur” ist ein Ebook von Brigitte Jäger-Dabek über die Juden in Ostpreußen, ihr Leben und ihren Untergang im Holocaust. Dieser Link führt auf eine Site, auf der man das Ebook zum Download für 3,99 € erwerben kann.

- Facebook-Site des Vereins "Juden in Ostpreussen. Verein zur Geschichte und Kultur e.V." gegründet 2004 in Berlin, die von Michael Leiserowitz gepflegt wird.
- Diese Datenbank enthält Daten zu Personen jüdischen Glaubens bzw. jüdischer Abstammung, die im ehemaligen Deutschen Reich in den Grenzen von 1914 gelebt haben oder mit diesem Raum in enger Verbindung stehen.
- Eine nach Orten differenzierte Zusammenstellung von Veröffentlichungen zur Geschichte von Juden im Deutschen Reich, hier im Blick auf Ost- und Westpreußen.




- ZENTRALE DATENBANK DER NAMEN DER HOLOCAUSTOPFER der Internationalen Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem - Gemeinsam mit seinen Partnern hat Yad Vashem Namen und biographische Angaben von Millionen Opfern der systematischen anti-jüdischen Verfolgung zur Zeit des Holocaust (der Shoah) gesammelt und aufgezeichnet. Vier Millionen acht hundert tausend der sechs Millionen Juden, die von den Nazis und ihren Helfershelfern ermordet wurden, wird hier ein Denkmal gesetzt. Diese Datenbank enthält Informationen zu Opfern des Holocaust: zu denen, die ermordet wurden, und zu solchen, deren Schicksal noch zu klären ist.

- “Die sogenannte „Ergänzungskartei“ der Volkszählung im Deutschen Reich vom 17. Mai 1939 mit den Angaben zur Religionszugehörigkeit aller vier Großeltern mit dem Zweck der Feststellung von jüdischen Vorfahren wurde vom in Berlin gegründeten Verein Tracing the Past e.V. im Internet veröffentlicht. Die Veröffentlichung umfasst – in Anlehnung an die deutschen Schutzfristen – etwa 275.000 (oder 67 %) der 410.000 Originaleinträge mit verschiedenen Suchmöglichkeiten. Zusätzlich sind bestätigte Holocaust-Opfer markiert.”

- Mapping the Lives
Interaktive Stadtpläne mit den Adressen der zwischen 1933 und 1945 in Europa durch das NS-Regime Verfolgten:
Das Projekt Mapping the Lives widmet sich dem Erstellen von Biographien, Online-Karten und Apps, welche die Wohnadressen aller bekannten Opfer des Nazi-Regimes, die aufgrund von Nationalität, Religion, politischer Überzeugung, sexueller Orientierung, sozialer Ausrichtung, körperlicher und/oder psychischer Behinderung oder als Widerstandskämpfer verfolgt wurden, zu lokalisieren. Persönliche Daten werden durch Biographien, Photographien und Links zu Familienmitgliedern ergänzt, wobei zusätzliches Material auf Basis von Crowdsourcing beigesteuert wird. Das Ziel ist, die zwischen 1933 und 1945 existierenden Wohngegenden in Europa auf Graswurzel-Ebene virtuell nachzubilden und dadurch jeden Bewohner und jede Bewohnerin Europas in einer Weise zu erreichen, wie es kein typisches Gedenkbuch mit einer Liste von Namen jemals könnte: Mapping the Lives gibt den Opfern des NS-Regimes einen physischen Ort zurück, eine „Heimstatt“, da für viele verfolgte Europäer eine Adresse oder ein Straßenname die letzte verbleibende Spur ihrer Existenz darstellt.

Die Erstversion von Mapping the Lives beinhaltet eine erweiterte und annotierte Version der Volkszählung von 1939 mit mehr als 406 000 Einträgen, ergänzt durch Informationen aus der Liste der jüdischen Einwohner im Deutschen Reich 1933-1945 (Stand 2012) des Bundesarchivs. Diese enthält Ort und Datum der Emigration, Inhaftierung, Ausweisung und Deportation, das Sterbedatum, biographische Details wie Schulbildung oder die Herkunft der Großeltern, Links zu anderen Familienmitgliedern, die Ausweisnummern jüdischer Kennkarten, Angaben zur Nationalität sowie Links zum Gedenkbuch des Bundesarchivs. Die Annotationen verweisen auf abweichende Schreibweisen von Namen, unterschiedlich angegebene Geburtsdaten etc. sowie Personen mit zwei oder mehr Wohnsitzen.

- Ein Ebook der Autorin Brigitte Jäger-Dabek berichtet über die Juden in Ostpreußen, ihr Leben und ihren Untergang im Holocaust: “Jüdisches Leben in Ostpreußen. Geschichte und Untergang einer großen Kultur” . Dieser Link führt auf eine Site, auf der man dieses Ebook zum Download für 3,99 € erwerben kann.