AUS ALTER ZEIT
Schwarzfischen sicherte vielen Vorfahren einen Teil der Ernährung
Wer sich mit Fragen der Familienforschung befasst, der stößt früher oder später auf die Frage, wie und wovon sich die Menschen zu früheren Zeiten ernährt haben. Manches ist uns bekannt - so wissen wir, dass sich Friedrich der Große mit Erfolg für den Anbau der Kartoffel eingesetzt hatte, um die kritische Ernährungssituation seiner Untertanen zu verbessern. Wir kennen auch so manches alte Rezept unserer Vorfahren, und selbst die Küche zu römischen Zeiten ist uns kein Buch mit sieben Siegeln geblieben. Einen Eindruck von den schwierigen Lebensverhältnissen der einfachen Bauern und Arbeiter in Ost- und Westpreußen in der Zeit um die vorletzte Jahrhundertwende sollen die folgenden Zeilen geben.
Der kenntnisreiche und seiner masurischen Heimat stets verbundene Schriftsteller Fritz Skowronnek hatte Anfang des 19. Jahrhunderts ein legendäres Standardwerk über die Fischerei verfasst (Fritz Skowronnek: Die Fischwaid. Handbuch der Fischerei, Fischzucht und Angelei. Leipzig 1904, Verlag für Land- und Forstwirtschaft, Gartenbau, Fischerei, Bienenzucht.). Darin skizzierte er auf treffliche Weise u. a. die um 1900 üblichen Lebensverhältnisse in „Ostelbien“, eine damals volkstümliche Bezeichnung für die preußischen Gebiete östlich der Elbe. Ein kurzes Zitat aus dem Werk wirft ein Schlaglicht auf den täglichen Kampf einfacher Menschen zu dieser Zeit, die sich genötigt sahen, bei Nacht und Nebel dem streng verbotenen Schwarzfischen nachzugehen, um die Ernährung ihrer Familien zu sichern:
"Man macht sich anderswo schwer einen richtigen Begriff von dem niedrigen „Standard of life“ der freien ostelbischen Arbeiterbevölkerung. Die Hauptnahrung bilden Kartoffeln und ein brauner Trank, der dort euphemistisch Kaffee genannt wird, aber im wesentlichen aus nichts anderem besteht als aus einer dünnen Cichorienbrühe. Fleisch kommt nur an hohen Festtagen auf den Tisch. Die Hintersassen der Großgrundbesitzer sind ja etwas besser daran, sie stehen in einem festen Lohnverhältnis, das ihnen das ganze Jahr hindurch den Lebenstand sichert. Sie können sich ein Schwein schlachten und eine Kuh halten. Aber auch für sie bedeutet ein Gericht Fische eine kostbare Bereicherung ihrer Tafelgenüsse. Da ist es denn kein Wunder, wenn alt und jung jede Gelegenheit wahrnimmt, um ein Gericht Fische aus dem nahen See zu erbeuten. Im Sommer schleichen die Männer mit einer kleinen, sehr engmaschigen Wate auf dem seichten Ufer entlang und fangen die junge Brut scheffelweise fort, sie fischen, wenn es geht mit dem Staknetz, holen sich bei Fackellicht die Krebse aus dem See und angeln im Winter mit dem Blinkfisch auf dem Eise." (Ebenda S. 35)
[Das großartige Standardwerk von Fritz Skowronnek kann der geneigte Leser hier finden!]
NEWS
Neues im Museumsladen
Das Kulturzentrum Ostpreußen mit Sitz in Ellingen/Bayern leistet seit Jahren einen wichtigen Beitrag zur Bewahrung und Pflege ostpreußischen Kulturgutes. In diesem Zusammenhang hat das Kulturzentrum Ostpreußen auch diverse Publikationen herausgebracht, die online über den "Museumsladen" zu bestellen sind.
Ein Besuch lohnt sich - und hoffentlich auch bald wieder persönlich, wenn sich die Türen zum Museum wieder für die Besucher öffnen dürfen.
(FR/SK)
Historisches Kalenderblatt
Unter dem Titel "Historisches Kalenderblatt" veröffentlicht das Kulturzentrum Ostpreußen zu besonderen Anlässen Interessantes aus dem Leben und Wirken berühmter Ostpreußen.
Das neueste Kalenderblatt beschäftigt sich anlässlich des 125. Geburtstages und 60. Todestages mit dem aus Königsberg/Pr. stammenden berühmten Filmkomponisten Werner Richard Heymann. Lesen Sie weiter im historischen Kalenderblatt ...

Von "Archive at the Academy of Arts, Berlin / Duehrkopp" http://www.heymann-musik.de/
Gemeinfrei, Link
Ein großer Schritt ist gelungen ...
Die "Ost- und Westpreußen-Forscherdatei - OWF" ist ab sofort freigeschaltet!
Geht das denn? Kostenlos und auf einfache Weise die eigenen Familiendaten dauerhaft sichern, mit vielen anderen teilen und so gemeinsam Lücken im eigenen Stammbaum füllen? Ja! Denn Schwarmwissen eröffnet auch uns Familienforschern neue Perspektiven, und zusammen haben wir es geschafft:
Ab sofort kannst du deine familienhistorischen Daten dauerhaft und kostenlos verlässlich in unserer neuen Datenbank speichern! Jeder, der sich bereits mit der Erforschung seiner Familie befasst hat, kann sich hier an dem neuen Datenprojekt unseres Vereins beteiligen! Werde auch Du zum Datenspender und erhalte dafür unmittelbar Zugang zur wachsenden Gedcom-Sammlung des VFFOW!
Telefonbuch aus dem Jahr 1914
Der VFFOW hat für seine Mitglieder ein besonderes Werk gesichert:
Ein annähernd 1.000-seitiges Telefonbuch aus dem Jahr 1914 mit allen (!) Teilnehmern aus den Fernsprechnetzen in den Oberpost-Direktionsbezirken Bromberg, Danzig, Gumbinnen, Königsberg und Köslin! Viele Tausend Familiennamen, Adressen, Firmen, Behörden und Berufsangaben aus der Zeit vor dem I. Weltkrieg können nun in dieser sorgfältig überarbeiteten PDF-Datei im Volltext durchsucht werden.
Mitglieder des VFFOW können sich dieses phantastische Werk, zu dem fleißige polnische Archivare die Grundlagen geliefert haben, ab sofort kostenlos für den eigenen Gebrauch im PDF-Format downloaden (Zugang über den internen Mitgliederbereich erforderlich):
https://www.vffow.org/common/special/login.html
25.01.2021, 13:00 Uhr - Virtuelle Eröffnungsfeier des Hauses Unter den Linden der Staatsbibliothek zu Berlin
Sehr geehrte Damen und Herren,
sehr gerne hätten wir den feierlichen Eröffnungsakt unseres Hauses Unter den Linden mit vielen geladenen Gästen im wunderschön wiederhergestellten Gebäude der Staatsbibliothek zu Berlin begangen. Nun aber stellen wir uns den besonderen Zeiten mit besonderen Maßnahmen und laden Sie ganz herzlich ein zur Teilnahme am Livestream der Eröffnungsfeier
am 25. Januar 2021 um 13 Uhr in unserem YouTube-Kanal!
Es sprechen:
Hermann Parzinger Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz - Begrüßung
Monika Grütters MdB Staatsministerin für Kultur und Medien - Grußwort
Wolfgang Schäuble MdB Präsident des Deutschen Bundestages - Festansprache
Barbara Schneider-Kempf Generaldirektorin der Staatsbibliothek zu Berlin – Grußwort
Im Anschluss nehmen wir Sie mit auf einen kurzen virtuellen Rundgang durch das Gebäude.
Seien Sie live dabei: https://youtu.be/RlzV31PX-BM. Der Stream ist danach permanent aufrufbar unter dieser Adresse.
Dreißig Jahre nach der Wiedervereinigung des geteilten Deutschlands, die sukzessive auch die Wiedervereinigung der zwei Hälften der traditionsreichen, 1661 gegründeten Berliner Staatsbibliothek mit sich brachte, ist die Generalsanierung des monumentalen Stammhauses Unter den Linden abgeschlossen. In eineinhalb Jahrzehnten hat die Staatsbibliothek, Teil der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, dieses größte Gebäudegeviert in der Mitte Berlins saniert und erweitert. Sobald es die Bestimmungen zum Schutz vor der Pandemie erlauben, öffnet eine der bedeutendsten Bibliotheken der Welt wieder ihre großen, schmiedeeisernen Tore:
Für Forschung und Kultur!
Vor sieben Jahren bereits feierten wir Eröffnung: damals war es die Einweihung des Herzstücks, des neuen transluzenten Lesesaals. Ab heute nun lässt sich erleben, wie die gesamte historische Bausubstanz behutsam und denkmalgerecht modernisiert wurde. Das Haus Unter den Linden der Staatsbibliothek: grandiose Baukunst des frühen 20. Jahrhunderts, ausgestattet mit der technischen und logistischen Infrastruktur von heute. Lesen und Forschen in spektakulärem Ambiente:
Seien Sie herzlich willkommen!
© Barbara Schneider-Kempf, Staatsbibliothek zu Berlin
Archäologie zu zweit: Forschung im ehemaligen Ostpreußen
Der Leitende Direktor der Stiftung Schleswig-Holsteinische Landesmuseen Schloss Gottorf, Prof. Dr. Dr. h.c. Claus von Carnap-Bornheim, spricht in der von den Landesmuseen initiierten Reihe "Archäologie zu zweit" mit Dr. Timo Ibsen über dessen archäologische Arbeit im ehemaligen Ostpreußen. Das Gebiet mit seinen großen Bernsteinvorkommen ist von einer dramatischen Forschungsgeschichte geprägt. Nähere Informationen zum Projekt sind über den Link akademieprojekt-baltikum.eu erhältlich.
Internationaler Forschungsdialog
Am 02. Dezember 2020 startete unser Dachverband DAGV in Kooperation mit der International German Genealogy Partnership (IGGP) den 1. IGGP-Forschungsdialog im Rahmen eines Online-Webinars. Hier bekam der VFFOW als erster Mitgliedsverein die Gelegenheit, sich und sein Forschungsgebiet Ost- und Westpreußen einem internationalen Publikum vorzustellen und die vielen Forschungsmöglichkeiten aufzuzeigen. Über achtzig Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Europa, den USA, Brasilien und Australien hatten sich zugeschaltet.
Unser Vorstandsmitglied Freya Rosan, verantwortlich für Öffentlichkeitsarbeit und Nachwuchsförderung, führte mit einer Powerpoint-Präsentation in das Thema ein und beantwortete im Anschluss daran die Fragen der Teilnehmer. Auch die Möglichkeit, seine eigenen Forschungen zu vertiefen, im Verein für Familienforschung in Ost- und Westpreußen e. V. mitzuarbeiten und Mitglied zu werden, interessierte die Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Wir stellen hiermit jedem Interessierten die Präsentation sowohl in der deutschen Fassung als auch in der englischen Fassung zum Download zur Verfügung.
-
Der nächste Knüller ist da!
Die im früheren Treuburg von Albrecht Czygan herausgegebene "Treuburger Zeitung" hatte über mehrere Jahre eine Beilage für Familienforscher. Diese wurde bis 1940 in sechs Heften zusammengefasst und unter dem schnurrigen Titel "Aus Treuburgs Okelkammer" herausgegeben. Eine der seltensten familienkundlichen Schriften Ostpreußens. Dank der Hilfe der Erben von Albrecht Czygan wird sie ab sofort zum kostenlosen Download angeboten: Eine unglaubliche Fülle an regionalhistorischen Fundstücken, Informationen über Personen, Orte und Lebensgewohnheiten!
-
Sensation: Corpstafel der Littuania zu Königsberg!
Viele Lebensgeschichten von Studenten der Königsberger Universität seit dem Jahr 1820 finden sich in dieser "Corpstafel der Littuania zu Königsberg", die Dr. jur. Walter Passauer 1935 zusammengestellt hat. Eine wahre Fundgrube für Familienforscher! Unser Dank dafür gilt Hans-Peter Schawaller, der uns die Daten zur Verfügung stellte.
-
Die Pest in Ostpreußen
Auf unserer Medienseite: Die Geschichte der Pest in Ostpreußen - vom Pestjahr 1549 bis zur Großen Pest der Jahre 1708 - 1710: Das Werk von Wilhelm Sahm aus dem Jahr 1905 zeigt in beeindruckender Weise die Not unserer Vorfahren in einer schlimmen Zeit. Mit aufschlussreichen Statistiken und einem Ortsregister.
Wir stoßen fast täglich auf längst vergriffene Schriften, die uns wichtige Informationen über Menschen aus unserem Forschungsgebiet und deren Lebensverhältnisse liefern. "Die Geschichte der Pest in Ostpreußen" ist ein solches Buch.
