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Gefahr in früheren Zeiten


Bären und Wölfe in Ostpreußen

Seit wenigen Jahren erst gibt es in Deutschland wieder Bestrebungen, den lange Zeit hier ausgestorbenen Wolf wieder heimisch werden zu lassen. Ein paar Dutzend dieser Räuber streifen wieder durch unsere Wälder, und Bauern klagen zunehmend über von Wölfen gerissene Schafe und erbeutetes Kleinvieh. Das weckt Erinnerungen an das Leben unserer Vorfahren in Ostpreußen, einer Provinz, die von riesigen Waldgebieten durchzogen war.

Lange Zeit deckte der gewaltige Wildreichtum dieser Wälder einen wichtigen Teil der Ernährung der Bevölkerung. Doch brachten Raubtiere mitunter Gefahren für die Bewohner der Dörfer mit sich, von denen wir heute nur noch aus alten Aufzeichnungen und Märchen wissen. Nicht nur Wölfe, sogar Bären wurden von den Bewohnern abgelegener Dörfer oft als Gefahr erlebt.

Gefährlicher Schulweg

Wie wir einem Protokoll aus dem Jahr 1741 entnehmen können, musste in Zabinken sogar „eine eigene Schule angelegt werden , weil der Gang nach Jakunowken (1938 bis 1945 Jakunen, seither Jakunówko im ehemaligen Kreis Angerburg, heute Powiat Węgorzewski) wegen der vielen Bären, die sich in der Heide aufhielten, für die Kinder zu gefährlich war.“ („Der letzte Bär in Ostpreußen“ von Fritz Hintz in „Unser Masuren-Land“ Nr. August 1924). Besonders zahlreich hausten die Bären nach Angaben von Albert Zweck in den Wäldern bei Kutten, Jakunowken und Zabinken (Albert Zweck, Masuren – eine Landes- und Volkskunde, S. 148, Verlag Hobbing & Büchle, Stuttgart 1900). Und Bären waren es auch, die den Waldreichtum rund um Puppen, dem heutigen Spychowo etwa 24 Kilometer östlich der Kreisstadt Ortelsburg (heute Szczytno), besonders anziehend fanden. Hier wurde im Jahr 1804 der letzte Bär Ostpreußens erlegt. Und im Kreis Insterburg hatte der Förster Stellbogen um das Jahr 1730 den letzten dort gesichteten Bären „von einem Hochsitz aus im Walde von Kumpchen zur Strecke gebracht“ (ebenda).

Was Kurfürst Johann Sigismund so alles vor die Flinte kam

Wie bedeutend der Wildreichtum des preußischen Urwaldes war, belegt ein Verzeichnis des im Jahr 1616 von Kurfürst Johann Sigismund und seinem Gefolge in Preußen erlegten Wildbrets: Es „waren 672 gestreckte Hirsche, 614 Hirschkühe, 179 Wildkälber, 138 Rehe, 5 Bären, 8 Wölfe, 810 Säue, 64 Füchse, 217 Hasen, 6 Dachse und ein Marder“. (Andreas Kossert: Masuren – Ostpreußens vergessener Süden, S. 64, Siedler-Verlag München 2001).

Ein Bär für Löbenichter Gymnasiasten
Eine heute eher zum Schmunzeln anregende Reminiszenz an die Geschichte der Bären in Ostpreußen ist eine kleine Notiz aus der in 23 Bänden angelegten Datei des großen Familiengeschichtsforschers Hans Wolfgang Quassowski (QMS 1 G S. 431). Danach hatte der Großkaufmann G. Großkopf aus Königsberg Anfang des 20. Jahrhunderts dem Realgymnasium in Löbenicht einen ausgestopften Bären geschenkt. So konnten die Schüler dort einen Eindruck von der Kraft und Größe des imposanten Raubtiers gewinnen, noch 100 Jahre nachdem der letzte ostpreußische Bär erlegt war.


Der Bär im Märchen vom klugen Schneiderlein. Eine Illustration von Paul Meyerheim (Kinder- und Hausmärchen, 20. Aufl. der Kleinen Ausgabe, 1874) – entnommen aus:
http://www.maerchenatlas.de/miszellaneen/marchenfiguren/tiere-im-maerchen-der-baer/

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